Aero-Club Bamberg e.V.
Flug nach Budapest – Reisebericht

Bereits vor einigen Monaten hat sich mir die Idee aufgetan, eine längere Flugreise über die Landesgrenzen hinweg zu planen. Nach reichlicher Überlegung fasste ich die ungarische Hauptstadt Budapest ins Auge. Als Ziellandeplatz habe ich mir Tököl (LHTL), einen ehemaligen Militärflugplatz 30 km südwestlich von Budapest, ausgesucht. Als mein Großvater, ebenfalls Flugbegeisterter und ehemaliger Flieger, davon Wind bekam, war er Feuer und Flamme und wollte mitfliegen. Diesen Wunsch wollte ich ihm natürlich nicht verwehren.

Am Montag, den 29.07.2019 sollte es dann mit der D-EJFF losgehen. Doch der Wetterbericht am  Sonntagabend versprach nichts Gutes, worauf wir den Start auf Dienstag verlegt haben. Am Dienstag haben wir uns um 9 Uhr am Flugplatz getroffen. Das Wetter war eher mittelmäßig für die Strecke gemeldet, es sollte aber im Laufe des Tages besser werden. Also versuchten wir unser Glück und starteten um 11:00 Uhr in Richtung Wien Vöslau, unserem ersten planmäßigen Stopp. Die Untergrenzen lagen bei ca. 3000 ft AGL, was an einigen Stellen schon etwas "sportlich" war. Zu unseren Ungunsten wurden die Wolken immer dichter und die Sicht schlechter, sodass wir kurz hinter der deutsch-österreichischen Grenze in Schärding-Suben einen Zwischenstopp einlegten, um etwas besseres Wetter abzuwarten. Leider hatte an diesem Tag das Restaurant am Flugplatz geschlossen, was die gefühlte Wartezeit ziemlich verlängert hat.
 

Zwangspause in Schärding-Suben
Zwangspause in Schärding-Suben


Nach knapp zwei Stunden sah das Wetter wieder fliegbar aus und wir machten uns auf den Weiterflug nach Vöslau. Das Wetter war bis Linz noch etwas durchwachsen, wurde dann aber immer besser und schließlich konnten wir bei fast klarem Himmel um 16:30 Uhr in Wien-Vöslau landen. In Wien wollten wir zunächst für eine Nacht bleiben und am nächsten Tag weiter nach Budapest fliegen. Doch mein Co-Pilot hat bereits während des Fluges fleißig die Wettervorhersagen studiert und die Idee in dem Raum gestellt, noch am selben Tag nach Budapest durchzufliegen, da das Wetter am Mittwochmorgen für Wien relativ durchwachsen gemeldet war. Nach kurzem Wetter-Briefing am Flugplatz in Vöslau war ich auch der Meinung, dass das wohl am besten sei. Für den Überflug nach Ungarn braucht es aber einen Flugplan. Also schnell via Skydemon die Routenplanung aufgerufen und den Flugplan für einen Start um 17:30 Uhr loc abgeschickt. Es kam sofort die Bestätigungsmail, dass der Flugplan bei der Flugsicherung eingegangen ist. Alles gut, könnte man meinen. Nach weiteren 5 Minuten kam eine weitere E-Mail: „Flightplan rejectet due to missing Y-Equipment“. Mit der Meldung konnte ich zunächst erst mal wenig anfangen. Nach kurzer Internetrecherche bin ich aber drauf gestoßen, dass mit Y-Equipment ein 8,33 kHz fähiges Funkgerät gemeint ist. Da hatte ich wohl in der App vergessen, den entsprechenden Haken zu setzen. Also die ganze Prozedur noch mal, diesmal mit dem Häkchen bei 8,33 kHz VHF und der Flugplan wurde akzeptiert. Pünktlich um 17:30 Uhr rollten wir auf die Piste und starteten. Der Flugleiter am Flugplatz hat unseren Flugplan freundlicherweise direkt geöffnet, sodass der Kollege von Wien Information nach kurzem Einleitungsruf keine weiteren Details brauchte und uns direkt den Squak mitteilte. Der Flug verlief bis kurz vor Budapest relativ ereignislos. Lediglich die Groundspeed von 150 kt durch ordentlich Rückenwind ist erwähnenswert.

Landschaflicht gibt es in Ungarn vor allem viel Landwirtschaft. Felder soweit das Auge reicht. Städte sieht man auf der Strecke nur wenige. Lediglich ein paar kleine Dörfer gibt es hier und da. Ungarn hat rund 10 Millionen Einwohner, davon leben 2 Millionen in Budapest, da ist es nicht verwunderlich, dass es außerhalb der Hauptstadt eher ländlich zugeht.
 

Übliches Landschaftsbild in Ungarn
Übliches Landschaftsbild in Ungarn


Kurz vor der Landung in Tököl wurde es dann noch mal etwas hektisch. Direkt über Budapest hat sich eine Gewitterfront aufgebaut. Glücklicherweise führte unsere Route nach Tököl knapp dran vorbei. Lediglich 5 Minuten vor dem Einflug in die Platzrunde haben wir eine kurze Dusche abbekommen. Naja immerhin war die Frontscheibe danach wieder sauber und wir hatten freie Sicht, um in die Platzrunde einzufliegen. Die Landebahn ist laut Anflugblatt 800m lang. Doch in Wirklichkeit hat man deutlich über 2km Platz, lediglich der letzte Teil der Bahn und ein paar Taxiways sind gesperrt. Gegen 18:30 Uhr sind wir dann gelandet und wie das immer so ist, sind die Gewitterwolken um uns herum mit dem Aufsetzen der Räder zusammengefallen und die Sonne ist sogar wieder rausgekommen.

Der Platz selbst ist eher rustikal. Die Taxiways sind uneben und auch die Hallen, in denen einst MIG-25 Jets untergebracht waren, haben die besten Jahre bereits hinter sich. Die Leute am Flugplatz sind aber sehr zuvorkommend. Auf die Frage, wo ich den Flieger abstellen und verzurren kann, wurde mir direkt ein Hangar-Stellplatz angeboten. Für umgerechnet 5€ die Nacht habe ich nicht lange überlegen müssen.
 

FF beim Tanken auf dem Vorfeld in Tököl
FF beim Tanken auf dem Vorfeld in Tököl


Vom Flugplatz aus ging es mit dem Taxi direkt nach Budapest in unser Hotel. Im Hotel angekommen haben wir noch etwas gegessen und sind dann ohne große Umwege ins Bett gefallen. Am nächsten Tag stand dann ein straffes Sightseeing-Programm an. Hier ein paar Highlights von der Stadttour:
 

Parlamentsgebäude
Parlamentsgebäude

 

Nochmal Parlamentsgebäude und Donau
Nochmal Parlamentsgebäude und Donau

 

Matthiaskirche bei Nacht
Matthiaskirche bei Nacht


Nach einem flugfreien Tag ging es dann am Donnerstagmorgen zurück nach Tököl zum Flugplatz. Für den Heimflug haben wir beschlossen zunächst den Plattensee zu überfliegen. Anschließend sollte es von dort aus direkt über die östlichen Alpen in Richtung Linz gehen, um dann wieder in Schärding zu landen. Die Flugzeit von Tököl nach Schärding hatte ich mit rund zwei Stunden kalkuliert. Wir starteten bei klarem Himmel in Richtung Plattensee. Die Luft war praktisch tot. Keinerlei Bewegung, weder horizontal noch vertikal. Erst auf Höhe des Plattensees bildeten sich die ersten Wolken.
 

Über dem Plattensee
Über dem Plattensee


Die thermische Aktivität und damit auch die Wolkenbildung hat bis zur ungarisch-österreichischen Grenze immer mehr zugenommen und letztlich sind wir dann auch auf 8500ft über die Wolken gestiegen, um die Alpen entspannt passieren zu können.
 

Alpenüberflug auf 8500ft
Alpenüberflug auf 8500ft


Der Anflug auf Schärding verlief routiniert, wir hatten diesen ja bereits schon auf dem Hinflug üben können. Wir haben die FF aufgetankt und anschließend noch etwas gegessen, bevor wir zu unserem letzten Streckenabschnitt nach EDQA aufgebrochen sind. Wir flogen entlang des Bayerischen Waldes unter der Wolkendecke, was dazu führte, dass wir ordentlich durchgeschüttelt wurden. Querab von Nürnberg wurde es dann schon langsam wieder heimisch und die Navigationshilfen wurden zunehmend obsolet. Um kurz nach 15:00 Uhr dann Touchdown in Bamberg.

In Summe kann man sagen, dass Budapest eine sehr sehenswerte Stadt mit einem tollen Flair ist. Und ganz nebenbei lässt es sich auch noch gut anfliegen. Es ist ein tolles Gefühl, eine solche Strecke selbst mit dem Flieger zurückgelegt zu haben. Mit der Airline fliegen kann ja schließlich jeder. :)