Aero-Club Bamberg e.V.
Ein Tagesausflug an die schweizerisch-italienische Hochalpengrenze

Der Bergbuchautor und Bergsteiger Walter Flaig nennt diese Berge den Festsaal der Alpen. Ich denke, er hat Recht, denn nur das Gebiet um den Mont Blanc bietet ähnlich spektakuläre Landschaft im Alpenbogen zwischen Wien und Nizza. Ich kenne sie vom Bergsteigen und wollte sie wieder einmal besuchen, die Berninagruppe! Und der Besuch war großartig!

Die CD eignet sich für ein solches Unternehmen gut, erklimmt sie doch die 4000m MSL, die benötigt werden, doppelsitzig mit vollem Tank mühelos. Take off in Bamberg um 0737 LT erfordert frühes Aufstehen. Via Ansbach, Dinkelsbühl, Aalen, Ulm und den kleinen Flugplatz Wildberg im Allgäu ging es non stop nach Hohenems im schönen Vorarlberg/Österreich. Flugplan ist optional! Ich file-te telefonisch einen Flugplan, weil Max sich beim Fuchs noch ein Frühstück holte. Die Leute vom AIS sind kompetent und hilfsbereit. Es ist eine Freude, mit ihnen zu kommunizieren und die Sache war in zwei Minuten erledigt.
 

Unsere D-KACD in Hohenems
Unsere D-KACD in Hohenems


Der Flug am frühen Tag meteorologisch absolut ruhig. Auch im Funk nix los auf unseren Frequenzen mit Ausnahme eines unangenehmen Dauerrauschens in unseren Kopfhörern. Kurz vor Bregenz durchfliegt man die TMZ von St. Gallen/Altenrhein und macht listening watch auf der publizierten Frequenz. Alles völlig problemlos mit schöner Sicht auf den Flughafen sowie den Bootshafen von Lindau. Hohenems gab uns Runway 05 630m lang mit wind calm und QNH 1018 (für Nico) mit der Bitte um kurzen Anflug wegen der Anrainer. Im final turn dann eine kleine Überraschung, steht da doch ein Kran auf der extended centerline voll im glidepath! Man muss ausweichen! Beim touchdown landeten quasi gleichzeitig mehrere Fallschirmler ca. 50 m neben der Bahn. Für die 2:01 Flugzeit hat die CD 31 Liter Mogas gesoffen bei 22 inch Ladedruck und 4500 RPM zum Preis von 1,09 €/Liter. Wir flogen das gesamte erste Leg tief.
 

Ostwand des Piz Roseg
Ostwand des Piz Roseg


Nach dem refueling gings weiter und nun wurde es richtig schön: Im Rheintal nach Süden an die drei Schwestern im Fürstentum Lichtenstein bis zum Falknis am Eingang zum Prättigau im Kanton Graubünden. Weiter der Schesaplana 3000 m hoch entlang zur Sulz und Drusenfluh mit ihren bekannten Südwandkletterrouten zur Madrisa bei Klosters. Alles gute Thermikberge, mir bestens bekannt von vielen Segelflügen in diesem Gebiet. Weiter über den Weissfluhgipfel bei Davos zum Matterhorn der Albulaberge, dem Corn da Tinizong (Tinzenhorn). Leider hatte der Piz Kesch, ein mächtiger in diesem Gebiet, sein 3400 m hohes Haupt knapp mit aufliegendem CU verhüllt. An diesem Tag war es zu feucht, deswegen war die CU Basis tief. Die kann an guten Tagen schon mal 4400 MSL in diesem Gebiet sein. Als wir dann über die den Segelfliegern bestens bekannte Crasta Mora ins Engadin, dem Tal des Inns, einflogen, da lag sie vor uns, die im Sonnenschein gleißende Berninagruppe mit ihrem 4049m hohen Piz Bernina, dem höchsten Ostalpenberg! Ich kannte sie alle von mehreren Bergtouren!
 

V.l. Piz Cambrena, Piz Palü, Bellavista, Piz Zupo, Crast Agüzza, Piz Bernina, Piz Roseg und Piz Glüschaint
V.l. Piz Cambrena, Piz Palü, Bellavista, Piz Zupo, Crast Agüzza, Piz Bernina, Piz Roseg und Piz Glüschaint


Im obigen Bild von links Piz Cambrena, Piz Palü, die Kathedrale aus Eis mit drei Nordpfeilern, Bellavista, Piz Zupo, Crast Agüzza, Piz Bernina, Piz Roseg und Piz Glüschaint (der Glänzende). Sie bilden die Landesgrenze Schweiz/Italien. Herrlich, der Tiefblick auf St. Moritz und den Silser See und hinaus nach Westen über den Malojapass ins Bergell. Ich musste aufpassen, bei all dieser überwältigten Pracht die Flugführung nicht zu vernachlässigen!! Es ist beruhigend, zu wissen, bei einem Motorausfall im Gleitbereich von Samedan zu sein. Eine Außenlandung in diesem Gelände wäre zwecklos!
 

Flugplatz Samedan, im Hintergrund St. Moritz mit den Engadiner Seen
Flugplatz Samedan, im Hintergrund St. Moritz mit den Engadiner Seen


Der Rückweg zum abermaligen refueling nach LOIH führte über den Julierpass, Piz Mitgel und den gewaltigen Piz Ela, Tiefencastel, die Lenzerheide und den Kunkelspass. Sightseeing eine Stunde und 50 Minuten. Der Kran stand immer noch im final 05, doch Max umflog diesen elegant. Landegebühr 9,00 €. Besonders angenehm ist, dass der Türmer den Tankchip vom Turm auf das Vorfeld wirft! Man spart einen mühsamen Aufstieg! Das italiensche Restaurant war gut und hat eine schöne Terrasse, von der man das Flugfeld überblicken kann.
 

Blick vom Piz Cambrena auf v.l. Piz Palü, Piz Bernina und Piz Morteratsch
Blick vom Piz Cambrena auf v.l. Piz Palü, Piz Bernina und Piz Morteratsch


Beim Rückflug nach Bamberg mussten wir leiden. Es war eine furchbare Schüttlerei und Max bedauerte, nicht in einem Segelflugzeug zu sitzen. On top of CU zu fliegen wäre zu hoch gewesen und man sieht von dort auch weniger von der Landschaft! Max und ich haben uns beim Fliegen und Navigieren gegenseitig abgelöst. Wir sind stolz darauf, ohne GPS geflogen zu sein. Sogar die arrivals wurden nach Sicht geflogen! Gesamtflugzeit 05:40.
 

Der Flügel unserer CD erinnert selbst an einen Gletscher
Der Flügel unserer CD erinnert selbst an einen Gletscher


Diesen Ausflug kann ich Piloten mit Alpenerfahrung weiterempfehlen! Schön wars!